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Berliner Marathon

Die "sportliche" Stadt Berlin

Der Berlin-Marathon (offizieller Name: BMW Berlin-Marathon) ist ein deutscher Straßen- und Volkslauf, der jährlich, in der Regel am letzten Septemberwochenende, in Berlin stattfindet. Er wird vom Sportverein SC Charlottenburg veranstaltet und von der SCC EVENTS GmbH organisiert. Er fand erstmals im Oktober 1974 als Berliner Volksmarathon statt.

Der heutige Berlin-Marathon besteht aus einem Rennen für Inlineskater (42,195 km) und einem Mini-Marathon (4,2195 km) für Kinder und Schüler am Sonnabend, sowie dem Marathonlauf für Rollstuhlfahrer, Power-Walker und Läufer am Sonntag.

Der Lauf gehört neben den Veranstaltungen in New York und London zu den größten und renommiertesten und neben London und Chicago zu den schnellsten Marathonläufen der Welt. Hier wurden seit 2003 auch die jeweils gültigen offiziellen IAAF-Weltrekorde der Männer von Paul Tergat (2003, 2:04:55 h), Haile Gebrselassie (2008, 2:03:59 h), Patrick Makau Musyoki (2011, 2:03:38 h) und Wilson Kipsang Kiprotich (2013, 2:03:23 h) aufgestellt.

Geschichte

Die Geburtsstunde der großen Laufveranstaltungen in West-Berlin war der 8. November 1964. An diesem Tag fand der erste Berliner Crosslauf am Teufelsberg mit über 700 Teilnehmern statt. Horst Milde und andere organisierten diesen Lauf, nachdem sie von einem Rennen in Le Mans inspiriert worden waren. In den folgenden Jahren entwickelte sich der SCC-Cross am Teufelsberg zu einer festen Institution in der Berliner Sportszene.

Zehn Jahre später, 1974, fand der 1. Berliner Volksmarathon erstmals statt. Inspiriert wurde Horst Milde von einem Marathon, der am 14. Oktober 1973 mit Start und Ziel am Mommsenstadion mit 92 Teilnehmern vom Berliner Leichtathletik-Verband ausgerichtet worden war. Überzeugt davon, dass unter den Volksläufern an einem Lauf über diese Distanz ein weitaus größeres Interesse besteht, organisierte Milde im Jahr darauf einen Marathon auf derselben Strecke, für den sich 286 Läufer anmeldeten, von denen 244 das Ziel erreichten. Gestartet wurde vor dem Mommsenstadion auf der Waldschulallee und gelaufen wurde eine Pendelstrecke im Grunewald, entlang der AVUS, fast bis zum Strandbad Wannsee. Bei den Männern siegte Günter Hallas (* 18. Januar 1942) in 2:44:53 h, bei den Frauen die ehemalige Mittelstreckenläuferin Jutta von Haase in ihrem ersten Wettkampf über eine längere Strecke als 1500 m in 3:22:01 h. 34 mal startete Hallas bislang beim Berlin-Marathon; nur Bernd Hübner, der bislang alle Berlin-Marathons absolvierte, hat mehr Teilnahmen aufzuweisen.

Ab 1975 wurde dann die Strecke ein wenig geändert, so dass nun im Mommsenstadion gestartet wurde. Das Ziel befand sich ebenfalls im Stadion. Auch die zweite Austragung richtete sich an die Berliner Volksläufer. Es siegte ein Ehepaar: Ralf Bochröder (* 8. Juli 1940) bei den Männern und Kristin Bochröder (* 6. Mai 1941) bei den Frauen.

1977 wurde die Deutsche Marathon-Meisterschaft in die Veranstaltung integriert, sie startete eine Stunde später. Im Rahmen dieser Meisterschaften stellte Christa Vahlensieck mit 2:34:47,5 h einen inoffiziellen Weltrekord auf.

Als die französische Besatzungsmacht im Mai 1981 die 25 km de Berlin als ersten Stadtlauf Berlins durchführte, reifte der Plan, auch den Marathon in die Innenstadt zu verlegen. Dabei stieß Horst Milde zunächst auf behördliches Unverständnis. So soll er z. B. Klaus Hübner, dem damaligen Polizeipräsidenten von Berlin, mit dem Satz vorgestellt worden sein: „Dort drüben sitzt ein Verrückter – der will durch die Stadt rennen“ und seitens der Polizei wurde dem Veranstalter zunächst mitgeteilt: „Die Straßen sind für die Autos da.“ Obwohl es beim Berliner Senat keine Einwände gegen das Rennen gab, ergaben sich dennoch einige politische Hürden, die aber mit Hilfe der westlichen Alliierten – Horst Milde hatte sich an John Kornblum, den Chef der US-Mission, gewandt – überwunden werden konnten. 1981 verließ der Lauf also den Grunewald und wurde zum Stadtmarathon. Start war auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude, die Strecke führte unter anderem am Checkpoint Charlie vorbei, und das Ziel befand sich auf dem Kurfürstendamm. Auf der Asphaltstrecke war es nun auch möglich, Rollstuhlfahrer an dem Rennen zu beteiligen. Mit 3486 gemeldeten Teilnehmern war der Berlin-Marathon 1981 bereits der größte deutsche Stadtlauf.

Aufgrund der stetig steigenden Teilnehmerzahlen wurde der Start 1987 auf die Straße des 17. Juni verlegt. Außerdem engagierte der Veranstalter erstmals über 30 Musikgruppen, die an der Strecke für Stimmung sorgten.

Premiere hatte 1989 der Mini-Marathon der Schüler. Dabei laufen Mannschaften von je zehn Schülern die letzten 4,2195 km. Addiert ergibt das die gesamte Marathondistanz.

Am 30. September 1990, drei Tage vor der deutschen Wiedervereinigung, führte der Lauf durch das Brandenburger Tor. Der Start verblieb auf der Straße des 17. Juni, allerdings wurde nun in die entgegengesetzte Richtung gestartet. Das Interesse an diesem Rennen war so groß, dass die Veranstalter erstmals Anmeldungen ablehnen mussten: das Teilnehmerlimit war erreicht. Erstmals wurde ein Marathonlauf live im deutschen Fernsehen übertragen, auch in Japan gab es eine Live-Übertragung.

1994 wurde die elektronische Zeitnahme mit Hilfe des ChampionChips eingeführt. Im selben Jahr wurde in Berlin das Rollstuhl-Marathonrennen der Behinderten-Weltmeisterschaften ausgetragen, das Heinz Frei mit einer Weltbestzeit von 1:22:12 gewann.

Sammy Lelei lief 1995 mit 2:07:02 h die damals zweitschnellste je gelaufene Zeit und verfehlte die Weltbestzeit um nur zwölf Sekunden.

1997 stellten die Kenianer Elijah Lagat, Eric Kimaiyo und Sammy Lelei mit 6:23:24 h einen inoffiziellen Mannschaftsweltrekord auf. Erstmals gingen Inlineskater auf die Strecke.

Zum 25. Berlin-Marathon 1998 wurde erstmals wieder der Teilnehmerrekord des historischen Laufs von 1990 erreicht. Sieger wurde Ronaldo da Costa, der mit 2:06:05 h die zehn Jahre alte Weltbestleistung von Belayneh Dinsamo (2:06:50 h) brach. Ronaldo da Costa war der erste Läufer, der einen Marathon mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 20 km/h lief.

Im Folgejahr 1999 fiel die Weltbestleistung der Frauen: Tegla Loroupe siegte mit 2:20:43 h. Im Männerrennen wurden erstmals zwei Zeiten unter 2:07 Stunden gelaufen, Berlin stand in der Liste der schnellsten Marathonläufe auf Platz eins. Erstmals nahmen Power-Walker an dem Lauf teil.

2001 gab es wieder eine Weltbestleistung: Die japanische Olympiasiegerin Naoko Takahashi lief mit 2:19:46 h als erste Frau unter 2:20 Stunden. Der Lauf wurde in Japan live übertragen und erreichte Einschaltquoten von über 50 %.

2002 kam es durch eine unzureichend befestigte Matte zu einem Massensturz der Skater. Die Abdeckung der quer über die Straße verlegten Kameraverkabelung wurde durch eine Windböe unmittelbar vor einer Skatergruppe angehoben und führte zu einem schweren Sturz von bis zu 20 Inline-Speedskatern. Nachdem der Berlin-Marathon der Skater mit über 7000 Finishern der größte seiner Art geworden war, wurde die Durchführung ab 2003 auf den Vorabend des Hauptlaufes verlegt.

2003 wurde die Streckenführung geändert. Das Ziel war nun nicht mehr am Kurfürstendamm, sondern am Brandenburger Tor. Der Start wurde ebenfalls vor das Tor verlegt.

Damit entfiel der heikle Transport der „Klamotten für hinterher“, die die Sportler schon immer am Start abgeben konnten. Die Strecke führte im Ganzen länger durch den ehemaligen Ostteil der Stadt und die Straße Unter den Linden wurde zur Zielgeraden. Der 30. Berlin-Marathon wurde wieder mit einer Weltbestleistung gekrönt, die später als erster offizieller Marathon-Weltrekord anerkannt wurde: Paul Tergat aus Kenia lief mit 2:04:55 als erster Mann unter 2:05, sein Landsmann und Tempomacher Sammy Korir benötigte nur eine Sekunde mehr. Mit dem kenianischen Drittplatzierten Titus Munji (2:06:15 h), ebenfalls Tempomacher Tergats, stellten sie einen neuen inoffiziellen Mannschaftsweltrekord auf.

2004 löste Mark Milde seinen Vater Horst Milde als Race-Director ab. Mark hatte sich seit 1999 um die Verpflichtung der Topläufer gekümmert und regte 1997 die Integration der Inline-Skater an.

Seit 2004 beinhaltet der Berlin-Marathon auch einen Wettkampf für Handbiker.

2006 gründeten die fünf weltgrößten Marathonveranstaltungen die Laufserie World Marathon Majors. Sie umfasst den Berlin-Marathon, den Boston-Marathon, den London-Marathon, den Chicago-Marathon und den New-York-City-Marathon. Die jeweils über zwei Jahre laufende Serie ist mit je 500.000 US-Dollar für den besten Mann und die beste Frau dotiert.

Statistik Marathonlauf
Streckenrekorde
Siehe Liste

Siegerliste
Siehe Liste

Entwicklung der Zieleinläufe
Siehe Liste

Inlineskating-Wettbewerb
Entwicklung
1997 wurde der Inlineskate-Marathon Bestandteil des Berlin-Marathons und damit zur ersten Veranstaltung, die das Inlineskaten als Bestandteil eines großen City-Marathons in Deutschland anbot. Das Rennen wird seit 2003 separat am Sonnabend vor dem Laufmarathon ausgetragen.

1997 gingen 446 Skater an den Start und die beiden Franzosen Caroline Jean und Pascal Briand wurden die Prämiensieger. Auch im Folgejahr dominierten die Franzosen und belegten sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern die Plätze eins bis drei.

Im Jahr 1999 liefen bereits 4179 Inline-Skater mit. Die Streckenrekorde wurden bei den Frauen und bei den Männern um mehrere Minuten verbessert. Die Siegerin Anne Titze war erste Frau unter 1:10:00 h.

Beim Rennen 2000 mit über die 6700 Teilnehmern fuhr Angèle Vaudan eine neue Weltbestzeit (1:08:29 h). Die Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wurde 19. Neben vielen Bestzeiten für die Teilnehmer stieg die Leistungsdichte stetig an und es kam immer öfter zu Massensprintentscheidungen, bei denen in wenigen Augenblicken das Feld die Ziellinie überquert.

2002 kam es aufgrund einer sich wölbenden Matte, welche für die Läufer gedacht war, in der Spitzengruppe des Rennens zu einem Massensturz. Mit über 7000 Finishern war das Rennen groß und attraktiv genug für eine eigene Veranstaltung. 2003 bekamen die Skater am Vorabend des Hauptlaufes ihre Veranstaltung und mit 9612 Sportlern war dies auch der weltgrößte Skater-Marathon. Bei den Frauen gab es einen Dreifacherfolg für die USA.

Aufgrund von Beschwerden von Autofahrern und Einzelhandel startete das Rennen der Skater 2004 bereits Sonnabendmorgens. Mit nur 8191 Startern führte die frühe Startzeit aber zu einem Rückgang sowohl der Teilnehmer- als auch der Zuschauerzahl. Also wurde 2005 der Start wieder auf den Nachmittag gelegt. Bei den Herren gab es einen Dreifach-Triumph der Italiener und bei den Damen gewann eine Kolumbianerin.

Die zehnte Austragung 2007 war von der regennassen Fahrbahn geprägt, somit kam es entgegen den letzten Jahren nicht zu einer Massensprintentscheidung. Der Schweizer Nicolas Iten konnte sich rund 2,5 Kilometer vor dem Ziel von seinen vier Fluchtgefährten absetzen und siegte im Alleingang. Bei den Damen konnte sich überraschend Hilde Goovaerts aus Belgien im Sprint einer kleinen Gruppe durchsetzen. Zu dieser gehörten die Deutschen Michaela Neuling und die erst siebzehnjährige Sabine Berg.

Seit 2000 ist das Rennen Bestandteil des World-Inline-Cup (WIC), der ranghöchsten Rennserie weltweit und seit 2004 findet in Berlin auch das Weltcup-Finale statt.

Statistik
2009 siegten Luca Saggiorato und Cecilia Baena jeweils zum dritten Mal. Juan-Carlos Betancur, Luca Saggiorato, Cecilia Baena und Sabine Berg konnten den Marathon zweimal hintereinander gewinnen.

Streckenrekorde
Siehe Liste

Rollstuhl- und Handbiker-Marathon
Streckenrekorde
Rollstuhlfahrer

  • Männer: 1:21:39 h, Heinz Frei (SUI), 1997

  • Frauen: 1:39:31 h, Sandra Graf (SUI), 2009

Handbiker Liegebike

  • Männer: 1:04:12 h, Vico Merklein (GER), 2011

  • Frauen: 1:17:09 h, Ursula Schwaller (SUI), 2011

Handbiker Kniebike

  • Männer: 1:10:04 h, Wim Decleir (BEL), 2008

  • Frauen: 1:13:55 h, Dorothee Vieth (GER), 2008


Trivia
Im Jahr 1990 führte die Strecke durch das jahrzehntelang nicht zugängliche Brandenburger Tor. Kurz nach dem Startschuss verstarb ein Teilnehmer an einem Herzinfarkt. Er wollte wohl nur die ersten drei Kilometer bis zum symbolträchtigen Bauwerk laufen, das er allerdings nie erreichte.

Filme

Marathonstrecke

42,195 km durch Berlin bei Nacht: Die Blaue Linie

Backstage Berlin-Marathon 2012 (Teil 1 bis 3)




 
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